Die Zucht

Eurasierzucht im Eurasier Klub e.V. Sitz Weinheim

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Dundee von den Wuppertatzen, Foto Kühnel

Wenn man sich mit der Eurasierzucht und deren Geschichte befasst, bemerkt man schnell, dass das Zuchtgeschehen um diese deutsche Hunderasse schon immer spannend und hoch interessant war.

Vom Pioniergeist der 60er- und der Folgejahre des letzten Jahrhunderts profitiert das heutige Zuchtgeschehen nach wie vor. Es ist nun bereits 50 Jahre her, als der erste Wurf der damaligen Wolfs-Chow’s aus der Verpaarung einer Wolfsspitzhündin mit einem Chow-Chow-Rüden geboren wurde. Erst mit der Einkreuzung des Samojeden wurde die Rasse 1973 in „Eurasier“ umbenannt.

In unserem Verein haben wir auch heute noch Mitglieder, denen die Entwicklung des Eurasiers aus den Anfangszeiten sehr gut bekannt ist. Darauf können wir zurecht stolz sein. Diese langjährigen Eurasierfreunde können über persönlichen Bekanntschaften und Freundschaften zum Rassegründer Julius Wipfel berichten. Auch Charlotte Baldamus (Zwinger vom Jägerhof), die spätere Gründerin der Zuchtgemeinschaft für Eurasier, Walter Nagel (Zwinger vom Stechersee), Dr. Siliva Jander, frühere Hauptzuchtwartin und Wolfgang Jentzsch, ebenfalls früherer Hauptzuchtwart, haben die Eurasierzucht maßgeblich gelenkt und zu deren heutigem Stand beigetragen. Schon früh waren die Zuchtzulassungen im EKW nur unter ganz besonderer Berücksichtigung der Gesundheit und des Verhaltens der Eurasier möglich. Auch wenn die Rassehundeausstellungen in der Hundezucht einen hohen Stellenwert haben, waren hohe Formwertnoten, Platzierungen oder auch Siegertitel kein Ausschlag gebendes Kriterium für die gelenkte Zucht im EKW. Erst nach eingehender Überprüfung der Hunde, die in unveränderter Form auch heute noch bei den Körungen (Zuchtzulassungsprüfungen) erfolgt, wird beurteilt, ob ein Eurasier eine Zuchtzulassung erhält. Die Grundlagen für die Beurteilungen zum äußeren Erscheinungsbild und zum Verhalten des Eurasiers, die der Körmeister in einem Körschein beschreibt, sind im FCI-Standard Nr. 291 für Eurasier fixiert. Seit einigen Jahren muss für die zur Zuchtzulassung vorgestellten Hunde eine bestandene vereinsinterne Verhaltensprüfung nachgewiesen werden.

Das Ergebnis der Dokumentation über die Gesundheitsuntersuchungen wurde ab der Einführung einer Eurasier Datenbank im Jahr 1991, die der EKW Herrn Jentzsch zu verdanken hat, besonders transparent. Mit der weiter entwickelten Eurasier Datenbank sind heute alle Zuchtverantwortlichen im EKW ausgestattet und haben bei anstehenden Verpaarungsplanungen Zugriff auf umfangreiches Datenmaterial. Damit können die Züchter qualifiziert beraten werden.

Diese Datenbank ist eines der Hilfsmittel, mit denen die theoretisch besten Verpaarungen erarbeitet werden. Zu einer qualifizierten Entscheidung, welcher Rüde mit welcher Hündin Nachkommen haben soll, gehört auch die Verwertung von Informationen aus den Körunterlagen, aus dem Zuchtbuch, den Wurfabnahmeprotokollen und nicht zuletzt, auch die persönliche Kenntnis der Hunde.

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Adina und Welpen, Foto Ludewig

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Juris A- Wurf, Foto M.Müller

Nicht bei allen Zuchtvereinen ist es selbstverständlich, dass nach Bedarf gezüchtet wird. In der Eurasierzucht ist eine sogenannte Vorratszucht zu keiner Zeit praktiziert worden. Die Züchter können bei der Verpaarungsplanung eine wirklich umfangreiche Beratung durch die Zuchtleiter in Anspruch nehmen. Darüber hinaus bietet der Verein mit seinen Welpenvermittlungen dem Züchter und dem Welpeninteressenten einen besonderen Service.

Euasierzucht heisst, Haltung der erwachsenen Hunde und Aufzucht der Welpen im häuslichen Bereich. Zwingeraufzucht und eine von der menschlichen Umgebung isolierten Aufzucht ist nach unseren Vorgaben nicht zulässig. Auf eine optimale Prägung der Welpen in sehr guten räumlichen Verhältnissen beim Züchter wird großer Wert gelegt. Eine Überprüfung der örtlichen Verhältnisse und die Kontrolle der Würfe einschließlich der im Haushalt gehaltenen Hunde wird durch ausgebildete Zuchtwarte garantiert.

Die Zusammenarbeit der Züchter mit den Zuchtwarten und den Zuchtleitern bewährt sich seit vielen Jahren. Eine transparente Kommunikation und offene Zusammenarbeit ist mit das Erfolgsrezept in der Eurasierzucht.

Gewerbliche oder so genannte Erwerbszucht ist in der Eurasierzucht völlig fremd. Alle Züchter sind Liebhaber der Rasse und kümmern sich intensiv um das Wohl ihrer Eurasier. Insofern gibt es in der Eurasierzucht unter dem Dach des Verbandes für das Deutsche Hundewesen (VDH) e.V. auch keine Massenhaltung. Die Hunde leben mit ihren Menschen. Von Züchter zu Züchter wird die Selbstverständlichkeit der bewährten Zuchtphilosophie weiter getragen.

Zur Eurasierzucht gehört untrennbar auch der gute Kontakt der Züchterfamilien zu ihren Welpenkäufern und umgekehrt. Sehr gerne werden im EKW die Kenntnisse und Erfahrungen bei der Aufzucht, der Prägung, der Ernährung, der Erziehung, der Pflege und anderen wichtigen Dingen an die „Neuen“ weiter gegeben. Die Kontakte und Freundschaften zwischen Züchtern und den Besitzern ihrer gezüchteten Hunde halten oft ein ganzes Hundeleben lang und darüber hinaus.

Neumitglieder, auch die, die aus anderen Vereinen zum EKW kommen, sind über die intensive Arbeit für den Eurasier erstaunt. Eine Vielzahl von engagierten Amtsträgern kümmert sich um die Weiterentwicklung und die optimale Gesundheit der Eurasier.

Züchten bedeutet, mit höchster Verantwortung an diese Aufgabe heranzugehen. Dieser Vorgabe kann man nur gerecht werden, wenn man sich mit Teamgeist, Offenheit und Ehrlichkeit in die Zuchtarbeit einbringt. Das gilt für die Amtsträger im Verein ebenso wie für die Züchter. Egoistische Ziele und Alleingänge sind kontraproduktiv und werden seitens unseres Vereins nicht unterstützt.

Mit einer guten Zusammenarbeit wird die Durchführung der Nachzuchtkontrollen gefördert. Nur durch die regelmäßige Überprüfung der Nachkommen hinsichtlich Gesundheit und Verhalten, der anatomischen Gegebenheiten, aber auch der Lebenserwartung ist die Zuchtqualität zu gewährleisten.

Diese Aufgabe wird in der Eurasierzucht sehr ernst genommen. Damit beschäftigen sich die Zuchtverantwortlichen und der Zuchtausschuss unermüdlich.

Zu etwa 65 – 70 % der erzüchteten Eurasier werden die Ergebnisse der obligatorischen veterinärmedizinischen Untersuchungen bekannt. Dabei handelt es sich um eine stolze Quote, die einen sehr guten Rückschluss auf die Gesundheit der Population zulässt. Und trotzdem wird an einer Steigerung dieser Quote gearbeitet. Zusätzlich werden von den Eurasierbesitzern Besonderheiten mitgeteilt, die ebenfalls dokumentiert werden.

Seit vielen Jahren konnte man von der Inzuchtstrategie der Anfangszeit abweichen und züchtet heute in Kenntnis des Inzuchtkoeffizenten und des Ahnenverlustkoeffizienten unter optimaler Inzuchtvermeidung. Eine Zuchtpraxis mit sehr niedrigem Inzuchtkoeffizient und hohem Ahnenverlustkoeffizient läßt sich in der sehr jungen Hunderasse Eurasier nachweislich bestens realisieren.

Auch die farbliche Vielfalt der Eurasier ist eine Besonderheit dieser Rasse. Sehr gute Aussichten für die positive Entwicklung der Eurasierzucht ergeben sich aus der Tatsache, dass eine Zucht auf bestimmte Farben und auf einen favorisierten Typ der Hunde im EKW nicht gefördert wird.

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H- Wurf vom Kurfürstendamm, Foto Peters

Im EKW, dem ältesten Eurasierzuchtverein, wurden in den letzten 10 Jahren im Durchschnitt 230 Welpen im Jahr erzüchtet. Die Wurfstärke liegt bei etwa 6 Welpen. Ein natürliches Fortpflanzungsverhalten und Mutterhündinnen mit dem erwünschten Wurf- und Pflegeverhalten sind Standard.

Besondere Erwähnung verdient, dass der EKW über seine Zuchtarbeit über die Vereinsgrenzen hinaus betreibt. Ein gelegentliches Zurückgreifen auf Zuchttiere aus anderen, über Jahrzehnte gewachsenen Populationen ist in der EKW-Zucht üblich. Dazu ist die gute Zusammenarbeit mit den Mitgliedsvereinen der Internationalen Föderation für Eurasierzucht (IFEZ) sehr hilfreich. Die Kontakte zu den Partnervereinen die sich mit der Eurasierzucht innerhalb der Federation Cynologique Internationale (FCI) befassen, werden gepflegt und intensiviert. Von der ursprünglich europäischen Zusammensetzung der IFEZ, hat sich diese Föderation, auch über die europäischen Grenzen hinaus entwickelt und wird weiterhin wachsen.

Durch die durchgängig, umsichtige und planvolle Vorgehensweise in der Eurasierzucht, dürfen die Prognosen für die Zukunft unseres idealen Familienhundes als sehr günstig angesehen werden.

Manfred Müller (Hauptzuchtwart von 2007 bis 2011)